Ovalrad-Durchflussmesser – Messprinzip, Einsatzgebiete und Auswahl
Der Ovalrad-Durchflussmesser ist ein volumetrischer Durchflussmesser zur präzisen Messung des Volumenstroms
von Flüssigkeiten. Das Messprinzip des Ovalrad-Durchflussmessers basiert auf der mechanischen Verdrängung definierter
Flüssigkeitsvolumina. Deshalb wird er auch als Verdrängungsdurchflussmesser bezeichnet.
Er eignet sich besonders für viskose Medien wie Öle, Schmierstoffe, Harze und Pasten.
Das Messwerk besteht aus zwei speziell geformten Ovalzahnrädern, die durch das durchströmende Medium in Drehung
versetzt werden. Bei jeder Umdrehung wird ein definiertes Flüssigkeitsvolumen vom Einlass zum Auslass des
Durchflussmessers transportiert.
Ovalrad-Durchflussmesser werden in zahlreichen Bereichen eingesetzt, unter anderem in der Petrochemie, der chemischen
Industrie, der Lebensmittelindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Sie eignen sich insbesondere für
Anwendungen, bei denen Flüssigkeiten präzise erfasst, überwacht oder dosiert werden müssen.
Zu den wesentlichen Vorteilen des Ovalrad-Durchflussmessers zählen die hohe Messgenauigkeit und Wiederholbarkeit
sowie die weitgehende Unabhängigkeit des Messprinzips von der Viskosität und Dichte. Es sind keine langen Ein- und
Auslaufstrecken zur Beruhigung des Strömungsprofils erforderlich. Dadurch lässt sich ein Ovalrad-Durchflussmesser
auch bei beengten Platzverhältnissen kompakt in Rohrleitungssysteme integrieren.
Messprinzip eines Ovalrad-Durchflussmessers
Das Messwerk eines Ovalrad-Durchflussmessers besteht aus zwei ineinandergreifenden Ovalrädern, die sich innerhalb
eines präzise gefertigten Messraums drehen. Durch den Druck des einströmenden Mediums werden die Ovalräder in
Drehung versetzt. Dabei entstehen zwischen den Ovalrädern und dem Messgehäuse definierte Messkammern.
Während sich die Ovalräder drehen, wird das Medium in diesen abgeschlossenen Messkammern vom Einlass zum Auslass
des Ovalrad-Durchflussmessers transportiert. Bei jeder Umdrehung wird dabei ein nahezu konstantes, definiertes
Flüssigkeitsvolumen verdrängt und zum Auslass gefördert.
Die Anzahl der Umdrehungen der Ovalräder ist direkt proportional zum durchgesetzten Flüssigkeitsvolumen. Durch die Erfassung der Drehbewegung können daher sowohl das Gesamtvolumen als auch der daraus berechnete Volumenstrom bestimmt werden.In einer nachgeschalteten Auswerteelektronik werden die erzeugten Impulse zur Bestimmung des Volumenstroms ausgewertet oder zur Ermittlung der insgesamt durchgesetzten Flüssigkeitsmenge aufsummiert.
Für einen stromunabhängigen Betrieb sind einige Ovalrad-Durchflussmesser mit einem mechanischen Zählwerk ausgestattet. Dabei wird die Drehbewegung der Ovalräder über ein Zahnradgetriebe auf eine mechanische Anzeige übertragen, an der die insgesamt gemessene Flüssigkeitsmenge direkt abgelesen werden kann.
Das Messprinzip eines Ovalrad-Durchflussmessers lässt sich in vier Schritten erklären:
- Einströmen des Mediums
Die Flüssigkeit gelangt über den Einlass in den Messraum - Drehung der Ovalräder
Der Druck des Mediums versetzt die beiden Ovalräder in eine definierte Drehbewegung. - Transport des Messvolumens
Die zwischen den Ovalrädern und Gehäuse eingeschlossenen Flüssigkeitsvolumina werden zum Auslass transportiert. - Ausströmen
Das gemessene Flüssigkeitsvolumen wird auf der Ausgangsseite wieder freigegeben.
V = n · Vm
Dabei gilt:
V = gemessenes Gesamtvolumen
n = Anzahl der Umdrehungen der Ovalräder
Vm = definiertes Volumen pro Umdrehung
Aus dem gemessenen Volumen und der benötigten Zeit lässt sich anschließend der Volumenstrom berechnen:
QV = V / t
Der Ovalrad-Durchflussmesser misst damit grundsätzlich das Volumen, während aus der zeitlichen Änderung des Volumens der Volumenstrom bestimmt wird.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Hohe Messgenauigkeit
- Gute Wiederholbarkeit der Messung
- Direkte volumetrische Messung
- Besonders gut für (hoch) viskose Flüssigkeiten geeignet
- Unabhängig von der elektrischen Leitfähigkeit des Mediums
- Größtenteils unabhängig von der Dichte und Viskosität des Mediums
- Keine definiertes Strömungsprofil erforderlich,
dadurch kurze Ein- und Auslaufstrecken möglich - Kompakte Bauweise
- Bidirektionale Messung in beide Fließrichtungen möglich (Sonderbauform)
Nachteile
- Hoher Druckverlust
insbesondere bei hohen Durchflussmengen - Empfindlichkeit gegenüber Schmutz- und Feststoffpartikeln
- Mechanischer Verschleiß
der beweglichen Messwerksteile - Größere Messabweichungen
bei sehr dünnflüssigen Medien und kleinen Durchflussmengen durch interne Leckage - Nicht für alle Medien geeignet
insbesondere bei abrasiven oder feststoffbeladenen Flüssigkeiten
Einsatzgebiete
- Öl- und Schmierstofftechnik
präzise Messung von Schmierölen, Hydraulikölen und anderen viskosen Flüssigkeiten - Petrochemische Industrie
Messung von Kraftstoffen, Mineralölen und anderen Kohlenwasserstoffen. - Chemische Industrie
Dosierung und Mengenmessung von flüssigen Chemikalien, Harzen und anderen Prozessmedien - Lebensmittel- und Getränkeindustrie
Messung und Dosierung von Ölen, Sirupen, Fetten und anderen flüssigen Produkten. - Abfüll- und Dosieranlagen
präzise Erfassung definierter Flüssigkeitsmengen bei Abfüll-, Misch- und Dosierprozessen
Alle auf durchfluss.info veröffentlichten Fachartikel mit Namensnennung wurden von Harald Peters persönlich erstellt oder fachlich geprüft.
Autor dieses Artikels:
Harald Peters – Fachautor für Durchflussmesstechnik.