Durchflusswächter /-messer nach dem Paddel-/ Klappen Prinzip - Messprinzip, Einsatzbereich und Auswahl
Durchflusswächter /-messer nach dem Paddel-/Klappen Prinzip werden überwiegend zur Überwachung von Flüssigkeits- und Gasströmungen eingesetzt.
Je nach Bauform werden sie auch als Paddelschalter, Prallscheiben-Strömungswächter, Stauscheiben-Durchflusswächter,
Windfahnenschalter oder Stauklappen-Durchflussmesser bezeichnet.
Das gemeinsame Prinzip beruht auf der Auslenkung eines mechanischen Körpers durch die Strömungskraft des Mediums.
Die Strömung trifft auf ein Paddel, eine Prallscheibe, Klappe oder Stauscheibe und erzeugt dabei eine Kraft.
Diese Kraft bewegt das Messelement gegen eine Gegenkraft, beispielsweise eine Feder, Blattfeder, einen Faltenbalg oder
ein Magnetsystem.
Aus der Bewegung kann entweder ein Schaltsignal zur Durchflussüberwachung erzeugt oder die Auslenkung zur Anzeige bzw.
Messung des Durchflusses verwendet werden.
Funktionsprinzip eines Paddel-/Prallscheiben-Durchflusswächters
Paddel und Prallscheibe unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Bauform und die Art der Anströmung.Ein Paddel hat oft eine längliche Form. Die Prallscheibe ist eine kompakter Scheibe oder Platte.
Beide nutzen die durch die Strömung erzeugte Kraft zur Auslenkung eines mechanischen Messelements.
Das grundlegende Messprinzip eines Paddel-Prallscheibenschalters ist einfach erklärt.
Sobald ein Medium durch eine Rohrleitung strömt, trifft die Strömung auf das im Rohr befindliche Paddel / Prallscheibe.
Ab einer bestimmten Strömungsgeschwindigkeit entsteht eine ausreichend große Strömungskraft bzw. Staudruck, um das Paddel / Prallscheibe auszulenken.
Mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit nimmt die auf das Paddel wirkende Kraft zu. Dadurch wird das Paddel stärker ausgelenkt.
Wird die erforderliche Auslenkung erreicht, betätigt der Mechanismus einen elektrischen Kontakt.
Der Durchflusswächter signalisiert:
„Durchfluss vorhanden“ oder „kein Durchfluss“
Der Schaltpunkt kann je nach Bauart durch die Änderung der Vorspannung einer Feder, durch Verschieben des Kontaktes oder eine Einstellung an einer aufgebrachten Skala verändert werden.
Bei Paddelschaltern wird der Schaltpunkt oft durch kundenseitige Anpassung der Paddel an die Anlagenbedingungen angepasst.
Wichtig ist dabei, dass der Schaltpunkt nicht ausschließlich von der Strömungsgeschwindigkeit abhängt.
Auch Rohrdurchmesser, Paddelgröße, Medium, Dichte, Einbausituation und mechanische Rückstellkraft beeinflussen das Verhalten des Durchflusswächters.
Wie wird die Auslenkung des Paddels auf den Kontakt übertragen?
- Magnetische Signalübertragung mit Reedkontakt
Bei vielen Paddel-Durchflusswächtern erfolgt die Übertragung der Bewegung berührungslos.
Dadurch kann der elektrische Schaltkontakt außerhalb des vom Medium durchströmten Bereichs angeordnet werden (siehe Bild: Paddelschalter mit Blattfeder).
Die Strömung drückt die Prallscheibe bzw. das Paddel aus seiner Ruhelage. Über den Waagebalken wird der Dauermagnet bewegt. Er gelangt dadurch in den Ansprechbereich eines außerhalb des Mediums angeordneten Reedschalters.
Der Reedkontakt schaltet den elektrischen Stromkreis, ohne dass eine elektrische Durchführung in den medienberührten Bereich erforderlich ist.
Die Blattfeder kann dabei gleichzeitig als Halterung des Waagebalkens und als Rückstellelement dienen.
Sobald die Strömung nachlässt oder vollständig ausbleibt, bewegt die Feder die Prallscheibe wieder in ihre Ausgangsstellung. Der Magnet entfernt sich vom Reedkontakt und der Schaltkontakt fällt ab. - Mechanische Signalübertragung
Bei der mechanische Signalübertragung wird die Bewegung des Paddels über den drehbar gelagerten Waagebalken direkt auf einen Schalter übertragen. Die Abdichtung zum Medium erfolgt mit einem Faltenbalg, der gleichzeitig als Rückstellkraft für den Paddel dient. Die Schwenkbewegung kann beispielsweise einen Mikroschalter betätigen. Diese Ausführung wird unter anderem bei Strömungswächtern für Luftkanäle verwendet.
Vorteile:
- robuste Arbeitsweise
- einfache mechanische Konstruktion
- preiswert
- Schaltfunktion ohne komplexe Elektronik
- direkte Anzeige über ein mechanisches Zeigerwerk möglich
- für Flüssigkeiten und Gase einsetzbar
Funktionsprinzip eines Prallscheiben-Durchflussmessers
Im Strömungsweg befindet sich eine beweglich gelagerte >Prallscheibe. Die Strömungskraft des Mediums wirkt auf die Prallscheibe und bewegt sie abhängig vom vorhandenen Durchfluss. Diese Bewegung wird über einen Waagebalken auf ein mechanisches Zeigermesswerk übertragen.
Die Stellung des Zeigers entspricht dabei der Auslenkung der Prallscheibe. Auf einer kalibrierten Skala kann der aktuelle Durchfluss direkt abgelesen werden. Mit zunehmender Strömungskraft wird die Prallscheibe stärker ausgelenkt, sodass der Zeiger einen entsprechend höheren Durchfluss anzeigt.
Die Abdichtung zwischen dem Messmechanismus und dem Medium erfolgt häufig über einen Faltenbalg. Dieser verhindert den Austritt des Mediums und kann gleichzeitig als Rückstellelement für die Prallscheibe dienen. Zur Feinkalibrierung ist der Waagebalken mit einer verstellbaren Feder verbunden. Zusammen mit der Strömungskraft bestimmt die Rückstellkraft des Faltenbalgs und der Kalibrierfeder die Auslenkung des Messelements.
Bei modernen Prallscheiben-Durchflussmessern kann die mechanische Bewegung auch berührungslos erfasst werden. Dazu wird beispielsweise ein Magnet mit einem Hallsensor kombiniert. Die Bewegung der Prallscheibe beziehungsweise des damit verbundenen Messsystems wird dabei in ein elektrisches Signal umgewandelt.
Das Sensorsignal kann zur elektronischen Durchflussanzeige, zur Überwachung oder zur Weiterverarbeitung in einer Steuerung verwendet werden. Zusätzlich kann ein einstellbarer Mikroschalter zur Überwachung eines frei wählbaren Durchfluss-Grenzwertes eingesetzt werden. Damit lassen sich Durchflussmessung und Durchflussüberwachung in einem Gerät kombinieren.
Für die Montage stehen unterschiedliche Anschlussvarianten zur Verfügung. Neben Ausführungen mit einem Fitting mit Gewinde- oder Flanschanschluss gibt es auch Prallscheiben-Durchflussmesser mit Aufschweißflansch. Diese Bauform ermöglicht die Installation der Geräte auch an Rohrleitungen mit großen Nennweiten.
Vorteile
- Messung ohne zusätzliche Hilsenergie
- geringer Druckverlust
- kostengünstige Messung
Funktionsprinzip eines Klappen-Durchflussmessers
Je nach Hersteller und Ausführung kann die Klappe unterschiedliche Formen besitzen, beispielsweise eine halbkreisförmige oder birnenförmige, strömungsoptimierte Geometrie. Die Achse der Klappe ist je nach Bauart in einem Gleitlager, Kugellager oder Tonnenlager gelagert. Bei bestimmten Ausführungen kann die Achse zusätzlich mit einem Simmerring abgedichtet sein.
So funktioniert der Klappen-Durchflussmesser
Die Strömung des Mediums übt eine Kraft auf die Klappe aus. Dadurch wird die Klappe gegen die Kraft einer Torsionsfeder aus ihrer Ausgangsstellung ausgelenkt. Mit zunehmendem Durchfluss steigt die auf die Klappe wirkende Strömungskraft und verändert deren Winkelstellung.Die jeweilige Winkelstellung der Klappe entspricht dabei dem Durchfluss. Die Drehbewegung der Achse wird über eine berührungslose Magnetkupplung durch die Gehäusewand in das Anzeigegehäuse übertragen.
Im Anzeigegehäuse bewegt die Magnetkupplung ein Zeigerwerk. Der aktuelle Durchfluss kann dadurch direkt auf einer Skala abgelesen werden.
Optional lässt sich ein Klappen-Durchflussmesser mit zusätzlichen Grenzkontakten oder Transmittern ausstatten. Damit kann der Durchfluss überwacht oder das Messsignal zur Fernübertragung und Weiterverarbeitung an eine übergeordnete Steuerung übertragen werden.
Unterschied zum klassischen Paddelschalter
Das Funktionsprinzip eines Klappen-Durchflussmessers unterscheidet sich konstruktiv vom klassischen Paddelschalter. Während ein Paddelschalter in der Regel zur Erfassung eines bestimmten Schaltpunktes eingesetzt wird, ermöglicht der Klappen-Durchflussmesser eine kontinuierliche Anzeige des Durchflusses.Beiden Prinzipien gemeinsam ist die Auslenkung eines beweglichen Körpers durch die Strömung des Mediums.
Vorteile eines Klappen-Durchflussmessers
- Keine zusätzliche Hilfsenergie für die mechanische Durchflussanzeige erforderlich
- Anzeige des Durchflusses über eine Skala
- Geeignet für die Durchflussmessung von verschmutzten Medien
beispielsweise Abwasser - Robuste mechanische Konstruktion
Typenübersicht
Alle auf durchfluss.info veröffentlichten Fachartikel mit Namensnennung wurden von Harald Peters persönlich erstellt oder fachlich geprüft.
Autor dieses Artikels:
Harald Peters – Fachautor für Durchflussmesstechnik.