Vortex-Durchflussmesser – Messprinzip, Einsatzgebiete und Auswahl
Ein Vortex-Durchflussmesser oder auch Wirbelzähler-Durchflussmesser genannt, ist ein bewährtes Messgerät zur
präzisen Bestimmung des Volumenstroms von Flüssigkeiten, Gasen und Dampf.
Das Messprinzip basiert auf der sogenannten Kármánschen Wirbelstraße
(Vortex-Prinzip), bei der hinter einem Strömungshindernis Wirbel entstehen.
Die Frequenz dieser Wirbel ist direkt proportional zur Strömungsgeschwindigkeit des Mediums und bildet die
Grundlage der Durchflussmessung.
Dank seiner robusten Bauweise und der hohen Messgenauigkeit eignet sich das Vortex-Messprinzip besonders für
industrielle Anwendungen in der Prozess-, Chemie-, Energie- sowie Lebensmittelindustrie.
Mit optional integriertem Druck- und Temperatursensor werden die Geräte häufig zur Messung von Dampf eingesetzt.
Messprinzip eines Vortex-Durchflussmessers
Im Inneren des Vortex-Durchflussmessers befindet sich ein speziell geformter Staukörper (Bluff Body), der in den Strömungsquerschnitt hineinragt. Strömt das Medium an diesem Hindernis vorbei, lösen sich hinter diesem Hindernis abwechselnd auf der linken und rechten Seite Wirbel ab.Dieses physikalische Phänomen wird als Kármánsche Wirbelstraße bezeichnet.
Ein integrierter Sensor erkennt die entstehenden Druck- oder Schwingungsänderungen und erfasst die Wirbelfrequenz.
Diese Frequenz ist proportional zur Fließgeschwindigkeit, d.h. je schneller das Medium fließt, desto mehr Wirbel entstehen. Es besteht ein nahezu linearer Zusammenhang.
Aus der gemessenen Strömungsgeschwindigkeit lässt sich durch Multiplikation mit dem Querschnittsfläche des Rohres der Volumenstrom bestimmen.
Das Messprinzip eines Vortex-Durchflussmessers lässt sich in vier aufeinanderfolgende Schritte unterteilen:
- Staukörper
Im Inneren des Vortex-Durchflussmessers befindet sich ein Staukörper (auch Bluff Body genannt), der in den Rohrquerschnitt hineinragt. Trifft die Strömung auf dieses Hindernis, wird sie gezielt beeinflusst.
Je nach Hersteller kommen unterschiedliche Geometrien zum Einsatz, beispielsweise:
- runde Staukörper
- dreieckige Staukörper
- deltaförmige Staukörper
- herstellerspezifische Sonderformen (teils patentiert)
In der Praxis hat sich insbesondere der deltaförmige Staukörper bewährt. Seine Geometrie sorgt für eine stabile und reproduzierbare Wirbelbildung (Wirbelfrequenz) über einen großen Messbereich.
Die Form und Breite des Staukörpers bestimmen maßgeblich die entstehende Wirbelfrequenz. Ziel ist eine möglichst konstante Strouhal-Zahl, sodass die Wirbelfrequenz über einen weiten Bereich unabhängig von Druck, Temperatur und Dichte des Mediums bleibt.
- Wirbelbildung
Nachdem das Medium den Staukörper erreicht hat, beschleunigt es zunächst entlang dessen Seitenflächen. Hinter dem Staukörper fällt die Strömungsgeschwindigkeit wieder ab. Dabei kann die Strömung der Kontur nicht mehr folgen und löst sich ab.
Durch den entstehenden Unterdruck bilden sich abwechselnd links und rechts hinter dem Staukörper rotierende Wirbel. Diese werden mit der Strömung weitertransportiert und bilden die sogenannte Kármánsche Wirbelstraße.
Die Anzahl der entstehenden Wirbel pro Sekunde wird als Wirbelfrequenz bezeichnet. Sie steigt proportional mit der Strömungsgeschwindigkeit:
Je höher die Strömungsgeschwindigkeit, desto höher die Wirbelfrequenz.
- Wirbelerfassung
Die entstehenden Wirbel verursachen periodische Druckschwankungen beziehungsweise wechselnde Kräfte am Staukörper. Diese werden von einem hochsensiblen Sensor erfasst und in elektrische Signale umgewandelt.
Je nach Ausführung verfügt der Vortex-Durchflussmesser zusätzlich über integrierte Druck- und Temperatursensoren oder nutzt externe Messaufnehmer. Dadurch kann neben dem Volumenstrom auch der Massendurchfluss präzise berechnet werden – insbesondere bei Gasen und Dampf.
- Berechnung des Durchflusses
Die Auswerteelektronik zählt die gemessenen Wirbel und bestimmt daraus zunächst die Strömungsgeschwindigkeit. Mithilfe des bekannten Rohrquerschnitts berechnet das Gerät anschließend den Volumenstrom. Werden zusätzlich Druck- und Temperaturwerte berücksichtigt, kann daraus auch der Massendurchfluss ermittelt werden.
Kármánsche Wirbelstraße
Das Messprinzip des Vortex-Durchflussmessers basiert auf der von dem Physiker Theodore von Kármán beschriebenen Gesetzmäßigkeit der periodischen Wirbelablösung hinter einem Strömungshindernis. Dieser Zusammenhang wird durch die folgende Gleichung beschrieben:
f = (St x v) / d
Dabei gilt:
f = Wirbelfrequenz [hz]
St = Strouhal-Zahl [dimensionslos, abhängig von der Geometrie und Typ des Staukörpers]
v = mittlere Fließgeschwindigkeit [m/s]
d = Breite des Staukörpers [m]
Aufbau eines Vortex- Durchflussmessers
Ein typischer Vortex-Durchflussmesser besteht aus mehreren Komponenten:- Messrohr
Das Messrohr bildet den Strömungskanal des Durchflussmessers durch die die zu messende Flüssigkeit fließt. Das enthält keine beweglichen Bauteile, wodurch kein mechanischer Verschleiß entsteht. Der Bluff-Body und der Drucksensor erzeugen nur einen geringen Druckverlust.
Je nach Anwendung wird das Messrohr aus Edelstahl oder anderen korrosionsbeständigen Werkstoffen gefertigt.
Bei einigen kompakten Geräten besteht das Messrohr auch aus Kunststoff. - Staukörper (Bluff Body)
- Sensor zur Wirbelerkennung (Optional mit Sensor zur Druck/Temperaturerkennung)
- Elektronik zur Signalverarbeitung
Die Aufgaben sind:- Erfassung der Wirbelanzahl, optional: Erfassung der Mediumstemperatur und des Mediumsdruckes
- Berechnung der Fließgeschwindigkeit und Umrechnung in den Volumenstrom.
optional: Berechnung des Massendurchflusses - Erzeugung von Ausgangssignalen ((0)4 – 20 mA, Impuls, HART, PROFIBUS oder Modbus)
- Zusäzliche Diagnosefunktionen
Moderne Geräte verfügen häufig über digitale Signalverarbeitung, wodurch zB. Störungen durch Vibrationen zuverlässig herausgefiltert werden
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Keine beweglichen Teile und dadurch geringer Verschleiß
- Große Messbereichsspanne
- Hohe Messgenauigkeit
- Hohe Temperatur- und Druckbeständigkeit
- Wartungsarm und langlebig
- Geeignet für Flüssigkeiten, Gase und besonders für Satt- oder Heißdampf
- Unempfindlich gegenüber Dichteänderungen bei Volumenstrommessungen
- Geringer Wartungsaufwand
Nachteile
- Begrenzter Messbereich bei niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten
Erst ab einer bestimmten Mindestströmung entstehen stabile Wirbel, die zuverlässig erfasst werden können. - Empfindlichkeit gegenüber Strömungsstörungen (Pumpen, Rohrbogen, Ventile)
Es sind ausreichend lange Ein- und Auslaufstrecken erforderlich. - Nicht ideal für stark verschmutzte Medien
Feststoffpartikel, Fasern oder Ablagerungen können den Strömungskörper oder den Sensor beeinträchtigen. Dies kann zu einer geringeren Messgenauigkeit und einem erhöhten Wartungsaufwand führen. - Ungeeignet für Mehrphasenströmungen
Probleme können auftreten bei: Flüssigkeiten mit Gasblasen Gasen mit Flüssigkeitströpfchen Dampf mit hohem Kondensatanteil Schäumenden Medien Mehrphasenströmungen verändern die Wirbelbildung und können zu erheblichen Messabweichungen führen. - Druckverlust im Rohrsystem
Da sich ein Strömungshindernis (Bluff Body) im Messrohr befindet, entsteht zwangsläufig ein zusätzlicher Druckverlust. Dieser fällt zwar meist moderat aus, kann jedoch bei energieeffizienten Anlagen oder großen Rohrleitungen berücksichtigt werden müssen. - Einfluss von Rohrvibrationen
Starke mechanische Vibrationen können die Signale des Sensors beeinflussen. Moderne Vortex-Durchflussmesser verfügen zwar über intelligente Signalfilter, dennoch sollten Messgeräte möglichst nicht direkt hinter stark vibrierenden Pumpen oder Kompressoren installiert werden. - Begrenzte Eignung für hochviskose Medien
Das Messprinzip funktioniert am besten bei Medien mit niedriger bis mittlerer Viskosität.
Einsatzgebiete
- Kraftwerke, Fernwärme- und Energieversorgung
- Wasser- und Abwassertechnik
- Chemische Industrie
- Lebensmittel- und Getränkeindustrie
- Petrochemie
- Maschinen- und Anlagenbau
- Energie- und Umwelttechnik
- Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik (HLK)
Typische Probleme und Fehlerquellen
Im Folgenden werden die häufigsten Fehlerquellen bei Vortex-Durchflussmessern erläutert und Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich diese vermeiden lassen.Ungünstige Strömungsverhältnisse
Eine der häufigsten Ursachen für Messabweichungen sind gestörte Strömungsprofile. Rohrbögen, T-Stücke, Ventile, Pumpen oder Querschnittsänderungen erzeugen Turbulenzen, die die regelmäßige Wirbelbildung beeinflussen können.Um eine stabile Messung zu gewährleisten, sollten die vom Hersteller empfohlenen Ein- und Auslaufstrecken eingehalten werden. Falls dies aus Platzgründen nicht möglich ist, können Strömungsgleichrichter die Messgenauigkeit verbessern.
Zu geringe Strömungsgeschwindigkeit
Das Vortex-Messprinzip funktioniert nur, wenn sich hinter dem Strömungshindernis stabile Wirbel bilden. Bei sehr niedrigen Durchflussmengen wird die erforderliche Mindestströmung möglicherweise nicht erreicht. Die Folge sind instabile Messwerte oder eine vollständig ausbleibende Messung. Deshalb sollte der Messbereich des Geräts passend zur Anwendung ausgewählt werden.Mehrphasenströmungen
Vortex-Durchflussmesser sind für einphasige Medien ausgelegt. Enthält das Medium gleichzeitig Flüssigkeit und Gas oder Dampf und Kondensat, verändert sich die Wirbelbildung erheblich.Typische Beispiele, zu erheblichen Messabweichungen führen können, sind:
- Flüssigkeiten mit Gasblasen
- Gase mit Flüssigkeitströpfchen
- Nasser Dampf
- Schäumende Medien
Rohrvibrationen
Mechanische Schwingungen der Rohrleitung können vom Sensor als Wirbelsignale interpretiert werden. Besonders betroffen sind Messstellen in der Nähe von Pumpen, Kompressoren, Motoren und Verdichtern.Moderne Vortex-Durchflussmesser verfügen über intelligente Signalfilter, dennoch sollte die Rohrleitung möglichst vibrationsarm ausgeführt werden.
Ablagerungen und Verschmutzungen
Im Laufe der Betriebszeit können sich Ablagerungen auf dem Strömungshindernis oder am Sensor bilden. Dadurch verändert sich die Geometrie des Messrohres und die Wirbelbildung wird beeinflusst. Regelmäßige Inspektionen und gegebenenfalls Reinigungen helfen, die Messgenauigkeit langfristig zu erhalten. Besonders kritisch sind:- Kalkablagerungen
- Korrosionsprodukte
- Schlämme
- Fasern
- Kristallbildungen
Falsche Einbaulage
Die Einbaulage hat insbesondere bei Gas- und Dampfanwendungen einen erheblichen Einfluss auf die Messqualität.Eine vollständig gefüllte Rohrleitung ist Voraussetzung für eine präzise Durchflussmessung.
Zu vermeiden sind beispielsweise:
- Luftpolster in Flüssigkeitsleitungen
- Kondensatansammlungen in Gasleitungen
- Teilweise gefüllte Rohrleitungen
Pulsierende Strömungen
Kolbenpumpen, Membranpumpen oder Verdichter erzeugen häufig pulsierende Durchflüsse. Diese führen zu unregelmäßigen Wirbelablösungen und können das Messergebnis verfälschen.In solchen Anwendungen sollten Pulsationsdämpfer oder geeignete Beruhigungsstrecken vorgesehen werden.
Fehlerhafte Parametrierung
Auch bei technisch einwandfrei installierten Messgeräten können falsche Einstellungen zu erheblichen Messfehlern führen.Häufige Parametrierungsfehler sind:
- falscher Rohrinnendurchmesser
- ungeeignete Messeinheiten
- fehlerhafte Mediumsdaten
- falsche Dichte- oder Temperaturwerte
- unpassende Ausgangssignale
Ungeeignetes Messmedium
Nicht jedes Medium eignet sich für das Vortex-Messprinzip. Hochviskose Flüssigkeiten, stark abrasive Medien oder Medien mit hohem Feststoffanteil erschweren die Ausbildung einer stabilen Wirbelstraße. Vor der Auswahl eines Vortex-Durchflussmessers sollten daher die Eigenschaften des Messmediums genau analysiert werden.Hersteller
- ABB Asea Brown Boveri Ltd Typen: FSV
- Endress+Hauser GmbH+Co. KG Typen: Proline, Prowirl
- Emerson Electric Co. Typen: Rosemount
- Heinrich Messtechnik GmbH Typen: DVH, DVE
- IFM electronic GmbH Typen: SV
- Kobold Messring GmbH Typen: DVZ
- KROHNE Messtechnik GmbH Typen: Optiswirl
- SIKA Dr. Siebert & Kühn GmbH & Co. KG Typen: VVX
- Yokogawa Deutschland GmbH Typen: OpreX, VY
- ...und Andere
Alle auf durchfluss.info veröffentlichten Fachartikel mit Namensnennung wurden von Harald Peters persönlich erstellt oder fachlich geprüft.
Autor dieses Artikels:
Harald Peters – Fachautor für Durchflussmesstechnik.